Don’t mess with your drummer – eine Hilfestellung:

Bei Grundsatzdiskussionen, auch Rudiments genannt, hat man mit Drummern schlechte Karten. Ein Schlagzeuger macht keine konstruktiven Vorschläge – er macht Flams.  Man hat es mit einer Spezies zu tun, die sich schon bei der Frage, ob sie straight, ternär oder doch binär sei, völlig im Offbeat bewegt.

Das mag paradiddle klingen, aber lassen wir mal Four on the Floor gerade stehen.

Der Stickflip ist es, between the Beats zu lesen und die Ghostnotes der Zeit zu erkennen. Das Leben hat seine Up- und Downstrokes und man kommt nur mit Zuckerbrot und Moeller-Whip zur Zugabe.

Und wenn der Schwabe „shuffle, shuffle, Häusle baue“ proklamiert, kann er sich noch so sehr auf den Traditional Grip berufen, am Ende zählt jeder Odd Meter, denn die wahren Emperors sind immer noch die Ambassadors – das wussten schon die alten Ruffs.

Jeder Single Stroke wird auf die Waage gelegt und wem das noch nicht Fillin genug ist, der sollte das Tempo jetzt warm anziehen.

Ansonsten könnte er einen herben Backbeat erleben!

Um also einen Sidestick zu vermeiden, darf nie um den Hot Rod herum geredet werden, sondern man sollte immer auf direktem Linear Groove zum Falam Slam kommen:

„Du spielen Bum Tschak Bum Tschak“?! …“JAHAAAAAA! …1…2…3…4…!“

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Gefahrlos durch den Gig mit fremdem Drumset – ein Guide

Flexibilität heißt, sich auf neue oder ungewohnte Umstände einzulassen und diese im besten Falle zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Beim Thema Schlepperei ist es für uns Schlagzeuger natürlich von Vorteil, wenn ein Club das hauseigene Set zur Verfügung stellt.

In Punkto Klang und Bespielbarkeit muss man sich die Vorteile erst zurechtlegen.

Es wäre utopisch zu denken, dass jeder Laden mit einem tollen, makellosen Schlagzeug ausgestattet ist. Wenn man sich jedoch ein paar Dinge im Vorfeld klarmacht, wird das Risiko, den ganzen Abend einen Equipment-Kampf führen zu müssen, drastisch reduziert. Fragen, die man sich im Vorfeld stellen sollte, sind beispielsweise:

1. Wie sieht mein Set für diese Band im Idealfall aus?

2. Woraus besteht das Herzstück – was muss bei meinem Set unbedingt vorhanden und gut bespielbar sein?

3. Welche Hilfsmaterialien sollten in meinem Erste-Hilfe-Koffer sein, damit selbst das abgerumpelste Set ordentlich zur gewollten Musik beitragen kann?

Wenden wir diese Kernfragen auf folgendes Szenario an: Es geht um eine Groove-Funk-Band, ich spiele im Jazzclub auf dem Haus-Drumset und komme mit der Bahn:

Zu 1. Idealfall:

-       Snare 1, Snare 2

-       Bass

-       Hihat

-       3 Becken

-       Tom 1, Tom 2

-       Cowbells

-       Doppelfußmaschine

-       Percussion-Tisch mit Kleinkrams

 Zu 2. Herzstück:

-       Snare 1

-       Bass

-       Hihat

-       Ein Allround Becken

-       Ein Tom

Zu 3. Erste-Hilfe-Koffer:

-       Stimmschlüssel

-       Gaffertape

-       Handtuch für eventuelles Abdämpfen

-       kleine Zange zum Einstellen der Hardware (oft klemmt z.B. etwas am Pedal)

-       extra Snarefell

-      und dann vor allem noch ein paar Dinge, die ich immer dabei habe, um meine Grooves und Stimmungen rüberbringen zu können: Meine Becken, meine Sticks, Mallets, Besen, nen Dreadlocks-Stick, Shaker und irgendwas aus klirrendem Metall. …passt alles zusammen in eine Beckentasche und sichert mich immer ab.

Wenn man sich das einmal klar gemacht hat, werden einem schlecht klingende oder absackende Hängetoms, wacklige Beckenstative oder verbeulte Snares den Abend nicht mehr verderben können, da man sich auf das wesentliche Material konzentrieren kann und den Rest einfach beiseite stellt.

Hier ein paar ganz konkrete Tipps, die dir das nächste Mal den Abend retten können:

99% aller Fußmaschinen lassen sich mit ein bisschen Einsatz zu einem spielbaren Objekt hinschrauben.

Die Bassdrum ist zu klein und hat ein dünnes Fell? Handtuch rein, Fell lose drehen und schon klingt es fett – egal wie groß die Trommel ist!

Mit einem extra Snarefell und Gadgets wie meinem Geldbeutel, einem Splashbecken und verschiedenen Sticks bekomme ich genug verschiedene Snaresounds zustande, um mir die zweite Snare sparen zu können.

Falls die Snare zu sehr heult, Dellen hat oder sich einfach nicht stimmen lässt – Dämpfer drauf und Resofell schön knackig hochziehen. Wenn nichts mehr hilft, Schlagfell auch hochziehen und eine Stimmschraube deiner Wahl komplett lose machen (Snares klingen dann am Resofell trotzdem weiter, aber das Schlagfell ist mundtot)!

Fazit: Das vorgefundene Set wird bestimmt nicht so klingen, wie du es gewohnt bist, aber mit ein paar kleinen Eingriffen ist selbst das billigste Rumpel-Set einigermaßen zu gebrauchen. Und meistens ist das angebotene Set ja gar nicht schlecht. Die Felle sind ungewohnt, die Trommeln klingen anders usw… Am Ende muss man sich einfach entscheiden, ob man versucht, ein Schlagzeug so aufzubauen und klingen zu lassen, dass es dem eigenen möglichst nahe kommt, oder ob man die wesentlichen Teile so optimiert, dass sie mit ihrem speziellen Charakter gut klingen. Letzteres inspiriert und macht mich glücklich. Ich gehe immer mit freudiger Spannung in solche Abende hinein – und das ist dann auch für die Musik ein Gewinn! Schlussendlich hört der Zuhörer schließlich den Schlagzeuger und nicht das Instrument.

 

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Grinsende Schlagwerker

Ich möchte euch heute einen ganzen einfachen und in vielen Situationen hilfreichen Trick verraten, der vielseitig einsetzbar ist, in unserer Drummer-Welt aber vor allem helfen kann, wenn mal wieder der Knoten in einer Unabhängigkeitsübung, einem neuen Pattern oder einem bisher schwer zugänglichen Groove nicht platzen will.

Stellen wir uns Arme und Beine als von unserem Gehirn aus geführte Marionetten-Gliedmaße vor. Unser Gehirn ist der Marionettenspieler und steuert jede einzelne Bewegung mit äußerster Perfektion.
Solange die Fäden frei beweglich sind, werden alle Befehle barrierefrei und ohne Verzögerung an die Gliedmaße weitergegeben.
Verheddern sich zwei Fäden, sind sie plötzlich miteinander verbunden und können nicht mehr unabhängig agieren. Der eine soll nach links, der andere nach rechts.
Setzt man nun auf Kraft, ohne einen Schritt zurück zu gehen, zieht sich der Knoten immer fester und am Ende geht alles nur noch sehr, sehr schwer oder im schlimmsten Fall überhaupt nicht mehr.
Der Marionettenspieler ist fix und fertig und legt die Fäden aus der Hand.
Und das ist schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung: Loslassen!
Wenn man eine verzwickte Sache zu ambitioniert übt und dabei die Zähne zusammenbeißt, wird der Knoten nicht platzen, sondern sich immer fester ziehen. Ich habe schon viele Spieler gesehen, die ihr ganzes Leben lang immer nur den Knoten fester gezogen haben, anstatt die Fäden einfach mal beiseite zu legen.
Das hat gleich mehrere Effekte:

  1. Man sieht als Zuschauer schon von weitem, dass hier jemand gegen sich selbst arbeitet und jeder Muskel vor Stress zittert.
  2. Die Musik und das Instrument klingen irgendwie nach Verstopfung.
  3. Die technischen und damit auch musikalischen Limits sind gesetzt.
  4. Je länger man den Knoten festzieht, desto langwieriger wird es, ihn wieder zu lösen.

Es gibt tausende Möglichkeiten der Entspannung und bestimmt passen auch nicht alle zu jedem Typen. Darum geht es mir heute aber auch nicht in erster Linie. Angekündigt wurde ja ein Trick! Und dazu noch einer, der für jeden funktioniert.
Der Marionettenspieler nimmt zwei Fäden in die Hand, die er bei der Schlagzeug spielenden Puppe bisher eher als zweitrangig angesehen hatte. Nämlich die der linken und rechten Kiefermuskulatur. Kräftig ziehen und hoch mit den Dingern. Sehr schön! Wenn man die Welt angrinst, sieht sie plötzlich ganz anders aus.
Durch euer Fake-Grinsen (wer noch mehr Anleitung braucht, kaufe sich am Kiosk einfach mal die „Gala“ und studiere die Gesichter der Celebrities und Royals) macht ihr nicht nur euer Gegenüber glücklich, sondern vor allem euch selbst.
Das Gehirn kann nämlich nicht zwischen echtem und unechtem Grinsen unterscheiden und schüttet somit die gleichen Glücksstoffe in den Kreislauf. Und das ist unsere hausgemachte Entspannungsdroge. Besser als Kiffen und von der Polizei erlaubt. (Außerdem fällt man nicht vom Drumhocker, nur weil man grinst.)
Ein weiterer Effekt ist es, dass sich beim Grinsen der Druck der Kiefermuskulatur auf den Gehörgang verringert und die Wahrnehmung in diesem Bereich steigt.

Also unser Fake-Grinse-Trick hat folgende Effekte:

  1. Motorische Knoten können sich besser lösen, bzw. entstehen erst gar nicht
  2. Besseres Hören
  3. Glücklich mit der Hausmacher-Droge (kann man auch prima alleine nehmen, Überdosierung nicht bekannt)
  4. Mehr Chancen beim anderen Geschlecht
  5. Technische und musikalische Limits rücken in weite Ferne
  6. Mehr Freude beim Üben

Mir passiert es selbst auch immer wieder, dass ich diesen Trick ignoriere und mit zusammengebissenen Zähnen im Proberaum an einer Aufgabe herumtüftele. Und manchmal, wenn es dann wirklich nicht klappt, und ich schon aufgeben möchte, fällt es mir wieder ein: Grins dir eins und deine Hände trommeln von ganz allein!
Viel Spaß und bleibt gelenkig!

Euer Andi